Was Künstliche Intelligenz (KI) inzwischen leisten kann, wird durch KI in Robotern oder ChatBots besonders greifbar. Nimmt man die neueren Entwicklungen im Bereich der emotionalen KI hinzu, dann entwickeln sich die Maschinen offenbar zu regelrechten „Menschenverstehern“.

Neben den vielfach berechtigten kritischen Einwänden zum Einsatz von KI kann diese als ein Instrument gesehen werden, welches dabei hilft, Zusammenhänge besser zu verstehen und Arbeiten produktiver zu erledigen („Durch KI besser werden?!“). Eine vermutlich wünschenswerte Entwicklungsrichtung beschreibt Kenza Abbou, eine bekannte KI-Expertin, wenn sie sagt: „Wir überlassen den Maschinen die sich wiederholende Arbeit und konzentrieren uns darauf, neue, bessere Lösungen zu finden, Ideen zu entwickeln“ (Abbou 2023, S. 210).

Insgesamt können wir davon ausgehen, dass die KI zukünftig in immer differenzierteren Formen verfügbar sein wird, und über noch deutlich mehr Fähigkeiten verfügt, als bereits heute. Auch, dass sie für immer speziellere Anwendungen adaptierbar ist.

In dem Projekt „Die virtuellen Sozialarbeiter:innen" wollen wir allen diesen im Zusammenhang mit KI aufgeworfenen Fragen nachgehen, und uns dann mit dem möglichen Einsatz von KI in der Sozialen Arbeit beschäftigen. Die Leitfrage hierzu könnte lauten: „Können die Aufgaben der Sozialen Arbeit zukünftig auch von Chatbots, Robotern oder ganz allgemein, von einer Künstlichen Intelligenz übernommen werden, und wie könnte das aussehen?“

Im Projekt geht es vor allem auch darum, die schon jetzt bestehenden Möglichkeiten eines Einsatzes von ChatBots in der Sozialen Arbeit auszuloten bzw. die Fähigkeiten der Bots darauf hin zu testen. Wir wollen mit ChatGPT und anderen Bots arbeiten, sie einen Sozialarbeiter/eine Sozialarbeiterin simulieren lassen. Die Bots sollen als virtuelle Gesprächspartner für Klientinnen und Klienten in einem noch auszuwählenden oder verschiedenen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit (je nach Interessenlage der Studierenden), eingesetzt werden.

Im Verlaufe des Projekts werden wir uns auch mit folgenden Fragen beschäftigen:

-Welche Kompetenzen haben/benötigen Sozialarbeitende überhaupt?

-Welche dieser Kompetenzen können bereits heute von einer KI simuliert werden?

-Können neben sprachlichen Kompetenzen auch emotionale Kompetenzen technisch erzeugt werden (hier geht es um Stichworte wie „Empathie“, Kommunikation“, „Komplexität“, „Bauchgefühl“, „Verstehen“, „professionelles Wissen“, „Nuancen wahrnehmen“ usw.)?

-Können nur Sozialarbeiter_innen eine gute KI für die Soziale Arbeit programmieren?

Es werden keine technischen oder andere Vorkenntnisse erwartet. Das konkrete Vorgehen im Projekt wird nach Vorschlägen durch den Dozenten gemeinsam abgestimmt. Es geht in erster Linie darum, sich in das neue Thema einzudenken und beim spielerischen Ausprobieren Kompetenzen zum Umgang mit Bots zu erwerben. Am Ende des Projekts sollen die Studierenden verstanden haben, was KI ist, welche Möglichkeiten in ihr stecken, und welche potenziellen Einsatzmöglichkeiten – aber auch Grenzen – sich in der Sozialen Arbeit zeigen.

Ich freue mich auf ein gemeinsames Erarbeiten dieses für die Soziale Arbeit neuen und wichtigen Zukunftsthemas!

 

Prof. Dr. Hendrik Reismann

Weingarten, im März 2024